BYTEC Ratgeber · Beitrag 8 von 8
KI im Unternehmen einführen: vier Etappen, fünf typische Fehler
Wer KI im Unternehmen einführen will, braucht kein Grossprojekt, sondern eine Reihenfolge. Die meisten Firmen haben inzwischen Zugang zu KI, verändert hat sich bei wenigen etwas. Bitkom-Präsident Ralf Wintergerst sagt es so: «Wer nur eine Lizenz kauft, hat KI eingekauft, aber noch nichts verändert.»
Wo Unternehmen bei der KI-Einführung heute stehen
In der Schweiz setzen 32 % der befragten Unternehmen KI in einzelnen Bereichen ein, 14 % über mehrere Bereiche hinweg, und 9 % haben damit ihr Geschäftsmodell verändert. 31 % stecken in Pilotprojekten, 14 % haben noch nichts gestartet (EY, Mai 2026). In Deutschland sagen 59 % der befragten Unternehmen, sie schöpften das Potenzial von KI überhaupt nicht aus, weitere 28 %, sie nutzten es wenig (Bitkom, September 2026).
Der Weg von der Lizenz zum veränderten Ablauf lässt sich in vier Etappen gehen. Jede ist klein genug, um sie neben dem Tagesgeschäft zu schaffen.
Etappe 1: eine KI-Richtlinie für Mitarbeitende
In vielen Firmen nutzen Mitarbeitende KI längst, nur ohne Regeln. In der Schweiz berichten 29 % der Befragten, dass private Konten wie ChatGPT im Unternehmen erlaubt sind, für 8 % ist das der einzige Zugang zu KI (EY 2026). Nur ein Drittel der KMU, die KI einsetzen, hat eine klare Datenschutzregelung für den Umgang mit KI, bei Firmen mit 5 bis 9 Mitarbeitenden sind es 23 % (AXA, Oktober 2025).
Für den Anfang genügt eine Richtlinie auf einer Seite:
- Welche Werkzeuge erlaubt sind, mit Firmenkonto statt Privatkonto.
- Welche Daten nicht hineingehören, solange kein Vertrag mit dem Anbieter besteht: Personendaten von Kunden, Gesundheitsdaten, Geschäftsgeheimnisse.
- Dass ein Mensch prüft, bevor etwas nach aussen geht.
- Wer im Haus Fragen beantwortet.
Was das Datenschutzgesetz dabei verlangt, steht in KI und Datenschutz in der Schweiz.
Etappe 2: KI-Schulung für Mitarbeitende
Fehlendes Wissen ist der häufigste Grund gegen KI. In der EU nennen ihn 71 % der Unternehmen, die einen Einsatz erwogen und KI dann nicht eingeführt haben (Eurostat, Daten 2025). In Deutschland sagen 85 % der Unternehmen ohne KI, ihnen fehle das technische Know-how. Jedes vierte Unternehmen bietet keinerlei KI-Schulung an, im Vorjahr waren es noch 43 % (Bitkom 2026). In der Schweiz nennen 58 % der Befragten den Ausbau der Aus- und Weiterbildung zu KI als wichtigste Massnahme für den Standort (EY 2026).
Gute Schulung ist konkret: an den eigenen Abläufen, mit den erlaubten Werkzeugen und mit Beispielen dafür, was gut funktioniert und was nicht.
Etappe 3: ein Ablauf, ein Pilot, eine Messung
Statt KI überall ein bisschen: ein Ablauf, der oft vorkommt, vorher gemessen, rund 30 Tage begleitet und dann entschieden. Wie das geht, beschreibt Der erste KI-Pilot. Ob Ihr Ablauf sich eignet, zeigt die Checkliste.
Die Hürden liegen dabei selten in der Technik. In der Schweiz nennen die Befragten am häufigsten Datenqualität und Datensilos (20 %), Sicherheits- und Datenschutzbedenken (19 %) und fehlende Fachkräfte (18 %) als grösstes Hindernis (EY 2026).
Etappe 4: Abläufe umbauen, dann ausweiten
Erst wenn der Pilot gemessen trägt, lohnt der Ausbau. Dabei entscheidet weniger das Werkzeug als der Ablauf: Von den Unternehmen, die einen deutlichen finanziellen Effekt sehen, haben fast drei Viertel ihre Abläufe wegen KI grundlegend umgebaut, bei den übrigen ein Viertel (McKinsey, August 2026).
Auch die Kosten liegen woanders als erwartet. Als grosse Kostenpunkte nennen deutsche KI-Anwender die Infrastruktur (51 %), die Aufbereitung der Daten (50 %) und die Anbindung an bestehende Systeme (41 %). Abos und Lizenzen sind nur für 21 % ein grosser Posten (Bitkom 2026). Mehr dazu in Was ein KI-Agent wirklich kostet.
Eine KI-Strategie fürs KMU passt auf eine Seite
Welche drei Abläufe zuerst kommen, wer dafür verantwortlich ist und woran der Erfolg gemessen wird. Wie wir diesen Weg mit Unternehmen gehen, vom Audit bis zum laufenden Betrieb, zeigt unser Vorgehen in der AI Transformation.
Fünf typische Fehler bei KI-Projekten
- Lizenz statt Ablauf. Werkzeuge werden verteilt, aber kein Ablauf ändert sich. Genau das unterscheidet die wenigen erfolgreichen Unternehmen von den übrigen (McKinsey 2026).
- Gefühl statt Messung. Im Versuch von METR glaubten erfahrene Entwickler, mit KI 20 % schneller zu sein, gemessen waren sie 19 % langsamer (METR 2025). Ohne Ausgangswert gibt es kein Ergebnis.
- Schatten-KI ohne Regeln. Private Konten und keine Regeln für Daten sind in vielen KMU Alltag (siehe Etappe 1).
- Datenqualität unterschätzt. In der Schweiz ist sie die grösste Hürde, in Deutschland einer der grössten Kostenblöcke.
- Mitarbeitende nicht mitgenommen. 42 % der deutschen KI-Anwender nennen die fehlende Akzeptanz der Beschäftigten als Hemmnis (Bitkom 2026).
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, KI im Unternehmen einzuführen?
Eine allgemeine Dauer gibt es nicht, sie hängt vom Ablauf ab. Gut planbar ist der erste Pilot: Er lässt sich auf rund 30 Tage Messung anlegen. Danach entscheiden Sie, ob und wie Sie ausbauen.
Braucht ein KMU eine eigene KI-Strategie?
Ja, aber eine kurze: welche drei Abläufe zuerst, wer verantwortlich ist und woran der Erfolg gemessen wird. Dazu eine Richtlinie, welche Werkzeuge und Daten erlaubt sind.
Gilt die KI-Verordnung der EU auch für Schweizer KMU?
Sie kann gelten, etwa wenn Sie KI-Systeme in der EU anbieten oder die Ergebnisse dort verwendet werden. Für die Schweiz gilt in jedem Fall das Datenschutzgesetz. Einen Überblick gibt unser Beitrag KI und Datenschutz in der Schweiz.
Quellen
- EY Schweiz: Künstliche Intelligenz in Schweizer Unternehmen (604 Befragte), Medienmitteilung vom 27. Mai 2026
- Bitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten), Presseinformation vom 14. September 2026
- AXA Schweiz: KMU-Arbeitsmarktstudie 2025 (Sotomo, 300 KMU, März 2025), Medienmitteilung vom 8. Oktober 2025
- Eurostat: Use of artificial intelligence in enterprises (Daten 2025, Stand Dezember 2025)
- McKinsey & Company: The state of AI in 2026: On the road to ROI (1'719 Befragte in 97 Ländern), 25. August 2026
- METR: Measuring the Impact of Early-2025 AI on Experienced Open-Source Developer Productivity, 10. Juli 2025
Alle Zahlen am 23. Oktober 2026 an den Originalquellen geprüft.
Sie möchten die erste Etappe in Ihrem Unternehmen angehen? Im Erstgespräch benennen wir mit Ihnen die drei Abläufe, die am meisten Zeit kosten, und den sinnvollsten Anfang.
