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BYTEC Ratgeber · Beitrag 6 von 8

KI und die Zukunft der Arbeit: Was die Zahlen 2026 zeigen

Über KI und die Zukunft der Arbeit wird viel behauptet. Die Zahlen aus der Schweiz, aus Deutschland und aus der Forschung zeigen bisher ein nüchternes Bild: Die Arbeit verändert sich schnell, die Zahl der Stellen langsam. Spürbar wird es zuerst beim Berufseinstieg.

STAND OKTOBER 2026 · 6 MIN. LESEZEIT

So verbreitet ist KI in Schweizer und deutschen Unternehmen

In der Schweiz haben 43 % der Bevölkerung zwischen 15 und 88 Jahren schon einmal generative KI genutzt, 31 % auch beruflich (BFS, Dezember 2025). Bei den KMU setzen 35 % KI bewusst in ihren Abläufen ein, 39 % erproben sie, 26 % nutzen sie noch nicht (AXA-Arbeitsmarktstudie, September 2026, 336 befragte KMU).

Für Deutschland gibt es drei Zahlen: 26 % der Unternehmen ab 10 Beschäftigten (Eurostat, Daten 2025), 54,5 % (ifo Institut, Mai 2026) und 57 % der Unternehmen ab 20 Beschäftigten (Bitkom, September 2026). Das ist kein Widerspruch. Die Erhebungen fragen verschieden, zählen verschiedene Firmengrössen und messen zu verschiedenen Zeitpunkten. Für die eigene Planung zählt die Richtung: Bei Bitkom stieg der Anteil von 20 % im Jahr 2024 über 36 % auf 57 %.

KI und Arbeitsplätze in der Schweiz: was bisher passiert ist

Die grosse Entlassungswelle ist bisher ausgeblieben. In der Schweiz geben 7 % der Befragten an, dass ihr Unternehmen wegen KI Stellen abgebaut hat. 11 % besetzen frei gewordene Stellen nicht mehr, in 18 % der Firmen sind neue Stellen rund um KI entstanden. 42 % können die Wirkung noch nicht beurteilen (EY, Mai 2026, 604 Befragte). Von den KMU mit KI-Erfahrung erwarten 47 % Zeitersparnis ohne Auswirkung auf die Stellenzahl, 12 % rechnen damit, künftig auf Personal verzichten zu können (AXA 2026).

International zeigt sich dasselbe Muster. In der McKinsey-Umfrage 2025 erwarteten 32 % der Befragten für das folgende Jahr einen Personalabbau durch KI. Ein Jahr später berichten 14 %, dass KI tatsächlich zu weniger Beschäftigten geführt hat (McKinsey, August 2026, 1'719 Befragte). In Dänemark haben Forschende Umfragen unter 25'000 Beschäftigten in elf stark betroffenen Berufen mit Registerdaten zu Löhnen und Arbeitsstunden verknüpft. Sie fanden keine messbare Wirkung von KI-Chatbots auf Löhne und Arbeitsstunden (Humlum und Vestergaard, Mai 2025).

Die Erwartungen steigen allerdings. Für das kommende Jahr rechnen 39 % der McKinsey-Befragten mit einem Rückgang ihrer Belegschaft durch KI, im Vorjahr waren es 32 %. In Deutschland erwarten 45 % der Unternehmen in den nächsten zwei Jahren einen leichten, 12 % einen deutlichen Rückgang (Bitkom 2026). Das sind Erwartungen, keine Messungen, und sie lagen in der Vergangenheit deutlich über dem, was dann eintrat.

KI und Berufseinstieg: wo es zuerst spürbar wird

Am deutlichsten zeigt sich die Veränderung bei den Jungen. Der Anteil der Stelleninserate für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger lag in der Schweiz 2025 um 32 % tiefer als im Durchschnitt der Jahre 2019 bis 2022. In KI-exponierten Berufen wie Administration und HR, Finanzen, Marketing, Einkauf und Vertrieb sank er stärker als anderswo (jobs.ch KI Report 2026, Auswertung von 7,3 Millionen Inseraten). Die Daten zeigen einen Zusammenhang, aber keinen Beweis, dass KI die einzige Ursache ist.

In den USA kommen Forschende der Universität Stanford zu einem ähnlichen Befund: Die Beschäftigung der 22- bis 25-Jährigen in KI-exponierten Berufen liegt 19 % unter dem Wert, den sie im Gleichschritt mit weniger exponierten Gleichaltrigen erreicht hätte. Bei erfahrenen Beschäftigten gibt es keine solche Lücke, und sie entsteht vor allem, weil weniger Junge eingestellt werden, nicht durch Entlassungen (Brynjolfsson, Chandar und Chen, Fassung August 2026).

Für KMU heisst das: Einfache Aufgaben, mit denen Junge früher eingearbeitet wurden, etwa Recherchen, erste Entwürfe oder Datenerfassung, übernimmt zunehmend die KI. Wer weiterhin Nachwuchs ausbilden will, muss den Einstieg neu gestalten.

Was Arbeitsmarktstudien zeigen: Aufgaben ändern sich schneller als Berufe

Weltweit arbeitet jede vierte erwerbstätige Person in einem Beruf, in dem generative KI einen Teil der Aufgaben übernehmen kann. In der höchsten Stufe sind es 3,3 % der Beschäftigten, in Ländern mit hohem Einkommen sind insgesamt 34 % der Beschäftigung betroffen, in Ländern mit tiefem Einkommen 11 %. Die Internationale Arbeitsorganisation folgert, dass die meisten Berufe verändert statt ersetzt werden, weil sie Aufgaben enthalten, die Menschen brauchen (ILO, Mai 2025).

Arbeitgeber weltweit erwarten, dass sich bis 2030 fast 40 % der im Beruf verlangten Fähigkeiten ändern. 77 % planen, ihre Mitarbeitenden weiterzubilden, 41 % wollen dort Personal abbauen, wo KI Aufgaben automatisiert (WEF Future of Jobs Report 2025, über 1'000 Unternehmen). Auch das sind Erwartungen.

Fachkräftemangel: warum KMU KI brauchen

Gleichzeitig fehlen Arbeitskräfte. In der Schweiz treten die geburtenstarken Jahrgänge ins Rentenalter, während deutlich weniger junge Menschen nachrücken (economiesuisse, März 2026). In dieser Lage ist KI für die meisten KMU weniger ein Ersatz für Personal als ein Mittel, mit dem gleichen Team mehr zu schaffen. Ob daraus Geld wird, ist eine eigene Rechnung: Freigesetzte Zeit ist noch kein Gewinn (siehe Kapazität ist nicht Gewinn).

Was das für Ihr Unternehmen heisst

  • Aufgaben statt Stellen betrachten. Welche Tätigkeiten in Ihren Abläufen sind Routine mit Texten, Daten oder Dokumenten? Beispiele finden Sie in unseren KI-Anwendungsfällen für sechs Branchen.
  • Mitarbeitende befähigen. In Deutschland bietet jedes vierte Unternehmen keinerlei KI-Schulung an (Bitkom 2026). Wie Sie in Etappen vorgehen, steht in KI im Unternehmen einführen.
  • Den Einstieg neu denken. Lernende und Junge an KI-gestützte Abläufe heranführen, statt ihnen nur die Aufgaben zu lassen, die bald die KI übernimmt.
  • Mit einem Ablauf anfangen und messen. Wo KI heute nachweislich hilft, zeigt KI im KMU: wo sie messbar Nutzen bringt.

Häufige Fragen

Ersetzt KI in den nächsten Jahren viele Arbeitsplätze?

Bisher nicht in grossem Umfang. In der Schweiz haben laut EY 7 % der Unternehmen wegen KI Stellen abgebaut, 18 % haben neue KI-Stellen geschaffen. Weltweit lag der tatsächliche Abbau im vergangenen Jahr deutlich unter dem, was Unternehmen ein Jahr zuvor erwartet hatten (McKinsey 2026).

Welche Berufe sind am stärksten betroffen?

Vor allem Bürotätigkeiten. Die ILO sieht bei Büro- und Sachbearbeitungsberufen die höchste Betroffenheit. In der Schweiz sinkt laut jobs.ch der Anteil der Einstiegsstellen in Administration und HR, Finanzen, Marketing, Einkauf und Vertrieb besonders stark.

Was sollten KMU jetzt tun?

Klare Regeln für den KI-Einsatz festlegen, Mitarbeitende schulen und mit einem einzigen, gemessenen Ablauf beginnen. Danach entscheiden, was ausgebaut wird.

Quellen

  1. Bundesamt für Statistik BFS: Internetnutzung in den Schweizer Haushalten 2025, Medienmitteilung vom 5. Dezember 2025
  2. AXA Schweiz: KMU-Arbeitsmarktstudie 2026 (Sotomo, 336 KMU, März 2026), Medienmitteilung vom 15. September 2026
  3. EY Schweiz: Künstliche Intelligenz in Schweizer Unternehmen (604 Befragte), Medienmitteilung vom 27. Mai 2026
  4. JobCloud: jobs.ch KI Report 2026 (7,3 Millionen Stelleninserate, Befragung von über 3'600 Arbeitnehmenden und rund 850 Unternehmen)
  5. economiesuisse: Wenn der Nachwuchs ausbleibt – KI wird zum Schlüsselfaktor, Dossier vom 5. März 2026
  6. Bitkom: Erstmals nutzt die Mehrheit der Unternehmen KI (603 Unternehmen ab 20 Beschäftigten), Presseinformation vom 14. September 2026
  7. ifo Institut: Mehr als die Hälfte der Unternehmen nutzt Künstliche Intelligenz (Umfrage Mai 2026), 5. Juni 2026
  8. Eurostat: Use of artificial intelligence in enterprises (Daten 2025, Stand Dezember 2025)
  9. McKinsey & Company: The state of AI in 2026: On the road to ROI (1'719 Befragte in 97 Ländern), 25. August 2026
  10. Anders Humlum, Emilie Vestergaard: Large Language Models, Small Labor Market Effects, BFI Working Paper 2025-56, Mai 2025
  11. Erik Brynjolfsson, Bharat Chandar, Ruyu Chen: Canaries in the Coal Mine? Six Facts about the Recent Employment Effects of Artificial Intelligence, Stanford Digital Economy Lab, überarbeitete Fassung vom 12. August 2026
  12. Internationale Arbeitsorganisation ILO: Generative AI and Jobs: A Refined Global Index of Occupational Exposure, Working Paper 140, Mai 2025
  13. World Economic Forum: Future of Jobs Report 2025, Medienmitteilung vom 8. Januar 2025

Alle Zahlen am 23. Oktober 2026 an den Originalquellen geprüft.

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